Hausgeburt

Wer meine letzten Beiträge verfolgt hat, dem ist sicher genauso wie mir Emelies Familie ans Herz gewachsen. Heute nun gibt es wieder einmal Neuigkeiten. An Emies 12. Geburtstag im September 2016  war es eindeutig: Da wächst noch ein Geschwisterchen in Mamas Bauch heran! Genau an ihrem Geburtstag war morgens der Schwangerschaftstest positiv. Wenn das kein gutes Omen ist! Und außerdem wurde dadurch dieser Tag, der erste Geburtstag ohne Emie für ihre Eltern ein Tag, der nicht nur fürchterlich traurig ist, sondern auch wieder mit einer leisen Hoffnung überzogen. Das war echt ein Geschenk aus dem Himmel! Für mich war es von Anfang an klar: Das kann nur gut werden!!! Und es ist gut geworden! Sehr gut!

Und ich durfte wieder ganz nah mit dabei sein! Danke liebe Dana, dass ihr mich so nahe in eure Familie mit hinein lasst und dass ich so intensiv mit Anteil nehmen darf!

Wir waren schon ein paar Tage lang sehr gespannt, wann es denn nun endlich losgehen würde. Emie und alle ihre Geschwister waren recht flinke Gesellen, sie kamen alle reichlich zeitig vor dem errechneten Geburtstermin. Wir rechneten also diesmal auch nicht mit dem 18.6. (der stand so im Mutterpass), sondern eigentlich warteten wir schon zu Pfingsten auf das große Ereignis. Aber das Kindlein fand es wohl schön in Mamas Bauch. Es genoss diesen Platz offenbar. Tag für Tag wurden alle immer ungeduldiger. Die Geschwisterkinder rätselten inzwischen, wie das wohl sein wird wenn das Baby kommt und hätten am Liebsten dabei zuschauen wollen. Deswegen kam ich auf eine Idee:

Am Freitag nach Pfingsten fuhr ich abends zu ihnen und hielt nur für die Geschwisterkinder einen Geburtsvorbereitungskurs. Wir redeten darüber, wie das Baby sich im Bauch drehen muss und durch den Geburtskanal winden, wie sehr sich die Mama dabei konzentrieren muss und dass sie dabei eine sehr große Arbeit verrichtet, bei der man eine Mama nicht stören darf, sonst geht es nicht vorwärts. (schließlich kann jedes Säugetier bei Gefahr oder sonstigen Störungen die Geburt bis zu acht Stunden anhalten) Und ich nahm mein Material mit, was ich im Unterricht für die vierten Klassen verwende und zeigte den Kindern an meinem Modell, wie eine Geburt abläuft.

Das war natürlich total interessant für sie und hinterher zogen wir dann das neu geborene Baby(püppchen) an und jeder durfte es einmal halten.

Dann kam das Wochenende und ich saß wie auf Kohlen, aber es tat sich nichts.

Am Montag Abend rief mich Emies Papa an und meinte, es könnte diese Nacht werden, aber ich sollte mir Zeit lassen…

Ich fuhr hin, die Hebamme war auch schon da. Auch Wehen gab es schon, aber die ließen im Laufe der Zeit wieder nach. Also brachen wir die Aktion Geburt ab und fuhren wieder nach Hause. Die schwangeren Eltern gingen schlafen – bzw. versuchten es.

Ich legte mich zu Hause in mein Bett, löschte das Licht und wollte gerade einschlafen – da klingelte mein Handy. Diesmal war es wirklich soweit. Also wieder ins Auto und die nun schon sehr bekannte Strecke noch einmal in Rekordzeit. Nachts sind alle Ampeln aus und die Autobahn weitestgehend frei. Und mein kleines Auto kann schnell fahren. 😉

Als ich ankam, war es sehr schnell klar: Das waren echte Geburtswehen. Ich hab das ja selbst schon 6x erlebt, erlitten und gemeistert, aber es ist jedesmal wieder beeindruckend, welche Kraft der Körper einer Frau aufbringen kann.

Der werdende Papa hatte den Geburtspool schon  aufgepumpt und war gerade dabei, ihn zu füllen. (Da passen reichlich 200 Liter Wasser rein). Dann durfte die werdende Mama da rein steigen und weiterhin ihre Wehen im Wasser veratmen. Und das war echt Arbeit! Das war mir garnicht mehr so präsent, wie heftig solch eine Wehe jeweils ist. Ich versuchte, die Mama zu unterstützen so gut ich konnte, sie durfte mir die Hände „zerdrücken“ und in den Wehenpausen erzählten wir anfangs noch. (Der Papa kümmerte sich um das Wasser und all die technischen Dinge – bis hin zum Fotoapparat.)

Bis dann die Hebamme plötzlich sehr unruhig wurde: Der Pool zischte irgendwo sehr unheilverheißend. Offenbar war da ein Löchlein drin, aus dem die Luft entwich. Das war nun überhaupt nicht passend. Hebamme und Papa suchten und lauschten, ob sie die Ursache herausfinden konnten. Die werdende Mama und ich versuchten, das alles auszublenden und weiterhin die Wehen gut zu veratmen. Aber dieses Zischen ließ nicht nach. Es war auch nicht auszumachen, wo der Defekt ist. Nun war guter Rat teuer. Da meinte unsere Hebamme: „Wisst ihr was, wir beten jetzt einfach mal!“ Gesagt, getan und ob ihr es glaubt oder nicht, von dem Moment an hörte das Zischen auf und die Luft blieb drin.

Die Wehen wurden immer heftiger. Da blieb keine Kraft mehr zum erzählen in den Wehenpausen. Die werdende Mama zog sich ganz in sich zurück, bis dann nach einigen kräftigen Presswehen ein wunderschönes kleines Mädchen in den Geburtspool hinein geboren wurde. Das war nach etwa 1 1/2Stunden im Wasser, am 13.06. um 2.36Uhr.

Und dann war wieder diese Stimmung im Raum, die man nicht beschreiben kann. Ein neuer Mensch ist geboren. Eben noch waren da die Schmerzen und mit einem Mal ist da nur noch große Freude.

Willkommen kleine Martha!

Die Kleine hat dann auch bilderbuchmäßig nach genau 20 Minuten das erste Mal kräftig und lange an der Brust getrunken und stillt seitdem ganz brav und viel. So wie es sich gehört.

Von der ganzen Geburt haben die vier Geschwisterkinder überhaupt nichts mit bekommen. Sie schliefen alle schon als wir um 22.00Uhr das erste Mal kamen und um 0.30Uhr zum zweiten Mal. Als der Älteste dann Morgens in die Schule musste, waren wir wieder weg und Mama und Kind lagen bereits wohl versorgt und fröhlich im Wochenbett.

Ich selbst bin um eine Erfahrung reicher. Lange Zeit trauerte ich dem Umstand nach, dass es mir nicht vergönnt war, Hebamme zu werden. Bisher dachte ich immer, DAS wäre mein Beruf gewesen. Inzwischen weiß ich aber dank dieses Erlebnisses, dass mein bevorzugter Platz am Kopf der werdenden Mutter ist. Also eher der Beruf einer Doula. Und das fühlt sich irgendwie richtig an.

Und ich fühle mich sooo beschenkt mit diesem Erlebnis, dabei sein zu dürfen wenn ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt! Das ist so mit das Schönste, was ich mir vorstellen kann. So wie eine Schwangerschaft und Geburt immer ein Wunder ist! Danke, dass ich an diesem Wunder teilhaben durfte!

2 thoughts on “Hausgeburt”

  1. Meine liebe Mechthild!

    Ach wie schön du das verfasst hast!
    Auch ich hab mich sehr gefreut das die SS und die Geburt so gut liefen und das es geklappt hat mein Baby zu Hause zu bekommen. Das du auch dabei sein konntest und überhaupt- das alle Kinder so lieb schliefen… 😉
    Nun ist Emelies Zimmer noch „besonderer“ geworden, wer hätte es geglaubt das da noch ein kleines Menschlein geboren würde!
    Und ich bin so dankbar, denn auch mein befürchtetes „Tief“, ein paar Tage nach der Geburt, blieb aus. Ich hatte so Angst das es diesmal besonders schlimm wird, so direkt nach Emies ersten
    Todestag. Aber auch hier hat uns Gott wieder einmal überrascht und behütet, denn alle „Emie-Tage“; Emies Sterbetag, der letzte Abschied und der Beerdigungstag – dies alles hat klein Martha vorbei gelassen und fein „gewartet“. So konnten wir erst das Eine durchleben, mit allen Tiefpunkten, und dann hatte ich auch den Kopf frei für die Geburt. Ich denke ganz viel an meine Emie und überhaupt viel über den „Himmel“ nach, das ist präsenter denn je.
    Ich vermisse sie unendlich sehr, sie wird uns immer fehlen hier!
    Und doch verwandelt Gott meine Tränen der Traurigkeit schon manches Mal in kleine Freudentränchen. Ich stelle mir die Maus vor wie sie jetzt so ohne Einschränkung herum hüpft und das Geschehen auf der Erde vom Himmel aus lächelnd beobachtet.
    Ich weiss nicht ob das theolog. richtig ist, aber ich glaube das alle Neugeborenen Kinder von „dort“ kommen, und Emie und Martha kennen sich ganz sicher schon. Zumindest ist das meine Vorstellung. Emie hat sich eine ganz besonders liebe, süße Maus „ausgesucht“. Und ich bin so dankbar über alle unsere Kinder, die mich oft wahnsinnig und gleichermaßen wahnsinnig glücklich machen. 🙂

    Stolz und dankbar bin ich auch über meinen Mann, der wieder das gesamte Familienmanagement gewuppt hat, während ich über 2 Wochen lang so richtig in meinem Wochenbett liegen durfte.
    Nebenbei hat er glatt noch sämtliche Gartenfrüchte verarbeitet (Es ist Sommer und vieles war reif…) und Marmeladen und Sirup gekocht- was für ein Geschenk ist das – das muß an dieser Stelle mal gesagt werden!!! 🙂

    Und ich freu mich das ich dich liebe Mechthild kenne und danke dir für alle Unterstützung. Und ich danke vorallem unseren großen Gott, der uns so reichlich segnet! Ich weiss das Er hält was er verspricht, das Er uns nicht los lässt, das habe ich erfahren dürfen!! Er ist da wenn es ganz schrecklich dunkel ist und da wenn es wunderschön ist. Das soll auch anderen Mut machen!
    Und ich glaube Gott hat auch jede Menge Humor – wenn ich mir meine verrückte Rasselbande jetzt so anschaue!! 🙂

    Sei mir lieb gedrückt von deiner Dana!

  2. Liebe Mechthild und ganz besonders liebe Dana,
    ich ja ganz im stillen eure letzte Wegstrecke verfolgt. Und war sehr oft in Gedanken und Gebet bei Euch. Gottes Gnade ist so groß.
    Ich freu mich schon jetzt sehr auf ein wiedersehen.
    Seid ganz lieb gegrüßt und gedrückt
    Eure Hawila

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