Der Pfeffermintztee

Jeder kennt sie, die Pfefferminze. Nicht nur als Tee ist sie sehr beliebt, sondern zunehmend auch in Süßspeisen und als Blättchen auf Desserts und Getränken. Und ja, sie schmeckt sehr gut, wirkt entkrampfend und lindernd bei Reizdarm und Kopfschmerzen. Ein richtig tolles Kräutlein. 

Als junge stillende Mutter und Stillberaterin erntete ich vor jedem Stilltreff meine frische Minze im Garten und kochte daraus mehrere Kannen leckeren Tee, den wir stillenden Frauen dann fröhlich miteinander tranken.

In den letzten Jahren allerdings ist die Pfefferminze bei den stillenden Müttern sehr in Verruf geraten. Man sagt ihr nach, sie würde massiv die Milchbildung hemmen und sollte absolut nicht in der Stillzeit getrunken werden. Damit werden sehr viele junge Mütter verunsichert, denn wie ist das dann zum Beispiel bei Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack? Und bei After Eight, der leckeren Schokolade? Was darf Mama überhaupt in der Stillzeit zu sich nehmen und was nicht?

Ich habe recherchiert und bei Fachleuten nachgehakt, aber ich finde nirgends einen seriösen Hinweis auf die angeblich Milchhemmende Wirkung der Pfefferminze.

Die Homöopathen warnen vor dem Genuss von Pfefferminztee bei gleichzeitiger Einnahme von homöopathischen Medikamenten weil er wohl die Wirkung der Globuli hemmt, aber über seine Wirkung auf die Milchbildung gibt es meines Wissens keine wasserdichte Information.

Deswegen habe ich in der Stillzeit meines sechsten Kindes die Wirkung dieses Krauts auf meine Milchbildung im Selbstversuch getestet und konnte auch da keinerlei Auswirkung auf die Milchmenge oder auf das Verhalten meines Kindes feststellen.

Ich glaube nicht, dass man mit einem Tee (selbst nicht mit einer Tasse Salbeitee -ebenfalls selbst ausprobiert – dem man ja nun wirklich und schon lange milchhemmende Eigenschaften nachsagt) die Milchbildung nachhaltig beeinflussen kann. Wenn unsere Milchmenge von solchen Dingen abhängig wäre und so leicht zu stören, dann wäre die Menschheit längst ausgestorben. Die Frauen früher hatten nur ihre Milch um den Nachwuchs zu ernähren. Und sie haben Jahrtausende lang nur mit ihren Brüsten die Kleinen gesäugt. Ohne Internet, Ratgeberbücher und dergleichen und auch ohne die Möglichkeit, schnell ein Fläschchen anzurühren wenn die Milch nicht reicht. Sie waren bei der Ernährung ihrer Kleinen einzig und allein auf ihre Brüste angewiesen.

Natürlich ist es nicht ratsam, NUR Pfefferminztee zu trinken, genauso wie es nicht ratsam ist, NUR Brot zu essen oder NUR Äpfel. Eine ausgewogene Ernährung ist in jeder Lebensphase sehr empfehlenswert. Und ganz besonders in der Stillzeit. Aber eine Kanne Kräutertee täglich, bei dem auch gerne Pfefferminze mit dabei sein darf (oder eben auch pur) ist nicht falsch. Es gibt viele Mütter, die keinen Stilltee mögen, da ihnen dessen Geschmack nicht zusagt. Und das ist total okay. Auch mag nicht jede Mama immer nur Wasser trinken. Warum nicht variieren und Tee, Wasser, Saft und was auch immer schmeckt und den Durst löscht abwechselnd zu sich nehmen?

Es gibt allerdings Mutter-Kind-Paare, die bestimmte Lebensmittel nicht vertragen. Aber das teilt ein Kind seiner Mutter mit, wenn es etwas nicht mag. (So wie manche Kinder schlechter trinken wenn die Mama wieder ihre Menstruation hat, andere sich daran wiederum überhaupt nicht stören.) Mütter wissen durchaus, welche Lebensmittel sie ihrem Kind nicht zumuten sollten. Meist sind das Dinge, die Mama auch nicht so besonders gern mag oder darauf gerade keinen Appetit hat. Wer aber von den stillenden Müttern gern Pfefferminztee trinken mag, der soll das mit gutem Gewissen und der Gewissheit tun, dass dieser Tee sehr bekömmlich ist. Auch in der Stillzeit!

Es kursieren immer wieder solche Warnhinweise und es werden besonders stillende (und schwangere) Mütter vor vielen Substanzen gewarnt. Jeder kennt den Hinweis, dass eine Stillende keinesfalls blähende Lebensmittel zu sich nehmen soll, damit das Kind nicht davon Blähungen bekommt. Diese Warnung ist ebenso sinnlos wie falsch, denn in der Muttermilch sind kaum Ballaststoffe enthalten, die bekanntlich Blähungen verursachen können. Auch ist mir in all den Jahren als Stillberaterin noch nie schäumende Muttermilch begegnet. 🙂 Die These von den durch die Muttermilch blähenden Substanzen ist ebenso nicht wissenschaftlich nachzuweisen, hält sich aber nach wie vor hartnäckig und ist schlicht und ergreifend FALSCH!

Warum belastet man dann die jungen Mütter mit solchen Ver- und Geboten?

Ich glaube, ein Grund dafür ist der Askese-Gedanke: Ich wünsche mir ein gesundes, zufriedenes Baby. Dafür bin ich auch bereit, zu leiden und deswegen bürde ich mir eine Menge Verbote und Regeln auf – oder lasse sie mir aufbürden, in der Hoffnung, für mein Leiden mit einem fröhlichen, zufriedenen Baby belohnt zu werden.

Liebe Mütter! Lasst euch nicht noch zusätzlich mit solch sinnlosem Verzicht belasten! Die Mühe, die ihr sowieso mit einem so kleinen Baby habt (nicht durchschlafen zu können, den ganzen Tag von dem kleinen Wesen „fremdbestimmt“ zu werden usw.) reicht völlig aus! Verschwendet eure Kraft und Fröhlichkeit nicht noch auf sinnlose Gebote und esst und trinkt fröhlich das, was euch schmeckt und lasst euch von Keinem, außer von eurem eigenen Kind und eurem eigenen Appetit irgend eine Beschränkung in Essensdingen auferlegen!

3 thoughts on “Der Pfeffermintztee”

  1. Wunderbar. Da freu ich mich schon auf die erste Tasse. In meinem Beet will dieser herrliche Tee dieses Jahr ganz besonders wuchern und ich hab mich schon gefragt, wo ich ihn gut unterbringen könnte… Juhu, nun kommt er in meine eigene Kanne. Man lernt auch beim dritten Wunder immer noch dazu. Vielen Dank, auch fürs recherchieren!

  2. Hallo liebe Mechthild,
    ich hab immer gegessen worauf ich Lust hatte, bei jedem Kind!
    Nun auch bei unserem 6. Auch ich kann sagen das Blähungen definitv nicht von meinem Essverhalten abhingen….
    Und ich esse gerne Grünzeug; Blumenkohl & Co.
    Meine Kinder hatten immer in den ersten Lebenstagen/Wochen hier und da „Blähungen“, ich glaube das hängt einfach noch mit dem unreifen Darm zusammen und das die Mäuschen jede Menge Luft geschluckt haben, beispielsweise beim aufgeregtem Trinken…. Unruhige „Bauchweh-Nächte“ hatten/haben wir wenn der Tag chaotisch lief und einfach sehr viel los war. Da kann ich auch keinerlei Zusammenhänge wegen irgendwelchem Essen/Trinken feststellen….
    Liebe Grüße, deine Dana

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