refugees welcome – im Prinzip ja, aber…

img_4057Es erbarmt einen tief, wenn man sieht, was die Flüchtlinge so auf sich nehmen um hier bei uns in Sicherheit leben zu können. Zuerst einmal der lange Weg bis hierher, der ja sicherlich in keinem Fall ein Spaziergang ist. Aber selbst wenn sie hier angekommen sind, ist da noch Vieles, was mich dauert.

Letztens war ich in einer Flüchtlingsunterkunft  zur Stillberatung. In einem Zimmer mit Küche und Bad wohnt eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Und diese Unterkunft war alles andere als gemütlich eingerichtet, da stand das Nötigste: Zwei Schränke, zwei Betten, zwei Kinderbetten und in der Küche ein Tisch mit einem Campingkocher und ein Kühlschrank. Wir lächelten uns an und ich versuchte mit Händen und Füßen der jungen Frau (sie war gerade mal achtzehn und hatte vor wenigen Wochen das zweite Kind geboren) zu erklären, was sie tun soll, damit die Brustentzündung abheilt. Die Frauenärztin hatte ihr ein nicht stillverträgliches Medikament verordnet und eine Stillpause befohlen. Sie hatte verstanden, dass sie ihrem Baby nun Milchpulver kaufen muss, besorgte das also in der Apotheke. Das war der einzige Ort, der ihr einfiel, wo sie so etwas bekommen könnte. Natürlich für teures Geld. Ich versuchte, ihr zu erklären, dass sie bei Rossmann oder im Kaufland dieses Milchpulver sehr viel preiswerter erhält. Inwieweit sie das alles so verstanden hatte, war mir nicht ganz klar. Umso mehr freute ich mich, als ich nach zwei Wochen diese Frau wieder traf und sah, wie sie ihr Kleines mit Hingabe an die Brust nahm.

Selbst, wenn diese Menschen hier angekommen sind und mit dem Nötigsten versorgt werden, sind sie aber doch noch lange nicht hier angekommen. Auch wenn sich Sozialarbeiter und willige Ehrenamtliche um sie bemühen, ist es doch ein fürchterlich langer Weg, bis sie endlich wirklich hier ankommen. Und dann frage ich mich: Ist es überhaupt möglich für diese Menschen, hier anzukommen? Ganz echt hier her zu gehören? Ich fürchte, das wird sehr schwierig.

Da ist als erstes die Sprache, die es mir schwer macht, mit diesen Menschen in Kontakt zu kommen. an dieser Stelle merke ich erst einmal, wie wichtig für die Verständigung doch eine gemeinsame Sprache ist. Da versucht man sich mit Mimik und Gestik etwas mitzuteilen und am Schluss bleibt doch so viel ungesagt. Das macht es schwer für mich, Kontakte zu knüpfen.

Noch viel schwerer macht mir das Knüpfen von Kontakten das Kopftuch, was mir jedes Mal wieder befremdlich ins Auge springt. Besonders bei hochsommerlichen Temperaturen überlege ich immer wieder, was wohl diese Frauen bewegt, sich so zu verhüllen. Unsereiner ist froh, wenn er nicht viel anziehen muss (auch wenn so Mancher vielleicht ein wenig mehr angezogen unter Umständen vielleicht sogar vorteilhafter aussehen würde…). Nun gut, ich hoffe mal, dass diese Frauen sich FREIWILLIG so anziehen. Ich weiß, dass das Kopftuch für muslimische Frauen eine Art Schutz vor sexuellen Übergriffen sein soll. Nun frage ich mich jedes Mal: Hat diese Frau das hier in Deutschland nötig? Und ist das nicht ein sehr großes Hemmnis, hier heimisch zu werden? Das Kopftuch ist für mich fremd. Ich finde solch eine Kleidung einfach sehr ungewohnt und als ein Hindernis, eine solche Frau unbefangen anzusprechen. Aber ich möchte diese Frau gern in ihrer Andersartigkeit annehmen und akzeptieren. Also stehen lassen. Und dabei bleibt es dann auch. Beim stehen lassen. Mehr Nähe ist für mich dann meist auch nicht drin.

Noch viel Schlimmer ergeht es mir mit den Männern mit muslimischem Hintergrund: Mein Mann unterrichtet ehrenamtlich eine Gruppe Flüchtlinge. Letztens gab es Probleme mit den Unterrichtsräumen, irgendwie war da gerade keiner frei und es waren auch nur zwei von den Männern zum Unterricht gekommen. Also lud er diese Beiden kurzerhand ins Auto und brachte sie mit zu uns. Wir haben durchaus ein gastfreundliches Haus und er war sich sicher, dass ich die Beiden freundlich willkommen heißen würde. Das tat ich auch. Zumal es wirklich zwei sehr nette, freundliche und höfliche Männer waren. Ich ging auf sie zu und reichte ihnen einladend meine Hand. Was dann geschah, verdatterte mich sehr: Der eine Mann schaute auf meine ausgestreckte Hand und versteckte seine Hand hinter seinem Rücken. Er versuchte, mir etwas zu erklären, was ich nicht verstand. Mein Mann klärte mich dann auf, dass ein muslimischer Mann keine fremde Frau anfassen dürfe, was also auch das „Handgeben“ beinhaltet. Ich fühlte mich, als hätte Jemand einen Eimer kalten Wassers über mir ausgekippt. Ich heiße meine Gäste herzlich willkommen und mache dabei alles falsch!

Die Männer verschwanden in meinem Wohnzimmer und ich stand in der Küche und überlegte, was nun wohl angebracht sei. Ich fühlte mich schrecklich ausgeschlossen da in meiner Küche. Normalerweise serviere ich ja meinen Gästen (auch denen meines Mannes) gerne etwas zu trinken oder zu knabbern. Aber ob das in diesem Fall richtig ist? Und was, wenn ich nicht das Richtige serviere??? Ich fühlte mich so sehr abgewiesen und verkehrt! Bin ich als Frau ein Mensch zweiter Klasse? Ein Mensch, der irgendwie schmutzig ist, den man besser nicht anfasst? Ich hatte doch die Gäste nur freundlich willkommen geheißen!

Und dann sortierte ich mich: Eigentlich hatte ich doch nichts Falsches getan: Ich habe die Gäste freundlich begrüßt, so wie es hier bei uns Sitte ist. Ich hätte ihnen gern mein Haus und auch mein Herz geöffnet. Aber sie haben das nicht verstanden – oder nicht verstehen dürfen.

Wäre es nicht besser, wenn sich Gäste an die Sitten der Gastgeber halten und diese achten? Wenn ich zum Hausbesuch in eine fremde Familie komme, versuche ich auch, herauszufinden, was in diesem Haus für Gepflogenheiten herrschen und ziehe zum Beispiel meine Schuhe aus, auch wenn ich diese zu Hause auch in der Wohnung anbehalte. Wenn wir im Urlaub fremde Länder besuchen, dann sind wir angehalten, zu erforschen was dort Sitte ist und sollten uns besser daran halten.

Was aber, wenn sich unsere ganz normalen Gewohnheiten mit den religiösen Geboten dieser Menschen nicht vertragen. Ist da ein Zusammengehen überhaupt möglich?

Geht Gastfreundschaft so weit, dass ich mich an die Gepflogenheiten der Gäste halten muss?

Ich vermute, es geht noch mehr Leuten so wie mir. Das Fremde ist uns einfach viel zu fremd, als dass wir uns damit anfreunden könnten. Und ich habe auch Verständnis, dass die Flüchtlinge sich nicht so leicht an unsere Gewohnheiten anpassen können, selbst wenn sie es wollten.

Also wird es wohl so bleiben, dass wir uns aus dem Weg gehen oder vielleicht wenn es hoch kommt von ferne freundlich grüßend zunicken, aber es wird weiterhin jeder für sich sein Leben leben. Ich fürchte, diese Kluft ist nicht zu überbrücken.

Liebe Frau Merkel, ich achte Ihren guten Willen sehr, aber ich glaube, Sie irren sich, ich fürchte, wir werden das nicht auf Dauer schaffen. Wir können diesen vom Krieg gebeutelten Menschen vielleicht für eine Weile eine Zuflucht geben, aber sicherlich niemals eine Heimat. Ich vermute, es werden sich Parallelgesellschaften bilden, die nebeneinander her leben und sich im günstigsten Fall nicht bekriegen. Aber selbst davon sind wir ja noch weit entfernt.

Mir bleibt nur, zu hoffen und zu beten, dass unsere Regierung viel Weisheit geschenkt bekommt, um gute Entscheidungen zu treffen, die zum Wohl unseres Landes sind.

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