Pokémon Go

 

 

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Ich bekenne: Diese App befindet sich auch auf meinem Handy und ich gehöre zu denen, die abends mitunter durch die Straßen streifen auf der Suche nach Pokémon, Pokéstops und Arenen.

Nun liest und hört man ja eine Menge über dieses Spiel. Und nicht alles, was ich da so höre, ist positiv. Das war eigentlich der Hauptgrund, weshalb ich mir dieses Spiel von meinem Sohn hab downloaden lassen: Ich wollte mir selbst ein Bild machen. Was ist dran, an diesem Spiel, warum begeistert es so viele?

Zuerst einmal: Fast alle (die Jüngeren) meine Kinder sind mit Pokémon aufgewachsen und deswegen sind diese natürlich auch mir vertraut. Sie entstanden um die Jahrtausendwende herum in Japan und schwappten dann auch bald nach Deutschland. Meine Kinder spielten die rote, blaue und gelbe Edition auf dem Gameboy Color und später dem Nintendo DS und ich war begeistert über das Wissen, was die Grundschüler über diese kleinen Wesen hatten. Da gab es dann inzwischen etwa 500 verschiede Pokémon und von jedem wussten sie Name, besondere Fähigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten. Und das in einem Alter, in dem ich mir große Mühe gab, den Schulstoff in Sachkunde, Deutsch und Mathematik in die Hirne meiner Kinder hinein zu bringen. Begriffe wie Substantiv, Nominativ, Addition oder dergleichen wollten sich nicht so recht in den Köpfen der Kinder verankern, Pikachu, Raichu, Hornliu oder Karpador waren aber sehr schnell präsent und wurden an der richtigen Stelle eingeordnet. Das faszinierte mich. Ich wünschte, die Lehrpläne würden in Zukunft von den Machern dieser Spiele gestaltet, dann würde unseren Kindern das Lernen vielleicht sogar Spaß machen!

Der Name Pokémon kommt von Pocket-Monster. Also ein Monster, was in die Tasche gesteckt werden kann. Es gibt sehr niedliche und auch sehr häßliche bis hin zu gefährlich aussehenden Pokémon. Ich verstehe sehr gut, weshalb die Kinder diese Monster gerne „besitzen“ wollen: Geht es Erwachsenen nicht auch so? Ich selbst halte mir einen Kater und finde den niedlich. Andere wähnen den schwarzen Kater bedrohlich. Noch andere Leute halten sich Vogelspinnen oder Schlangen und finden eine gewisse Befriedigung darin, der Besitzer (Im Pokémon-Spiel heißt das Trainer) von solch gefährlichen Wesen zu sein. Nun  bin ich sehr dankbar, dass meine Kinder lieber Trainer von virtuellen Monstern sein möchten, als sich von mir Vogelspinnen und Giftschlangen zu wünschen. Die finde nämlich ich bedrohlich!

Bisher spielte sich die ganze virtuelle Spielwelt in den Kinder- und Jugendzimmern ab und viele Pädagogen warnten vor körperlichen Schäden, die die Kinder aufgrund der wenigen körperlichen Bewegung davontragen würden. (komisch, dass keiner davor warnt, wenn die Jugendlichen in Sekundarstufe I und II bis zu neun Stunden am Stück in der Schule sitzen müssen…) Jetzt gehen die jungen Leute nach draußen und fangen in der realen Welt virtuelle Wesen ein und wiederum geht ein Aufschrei durch das Land: Die Leute regen sich darüber auf, dass Jugendliche draußen herum laufen, die nur mit dem Handy beschäftigt sind und kein Auge für ihre Umgebung haben. Es wird vor der Gefahr gewarnt, vor ein Auto zu laufen oder über Sinn und Unsinn von Handyspielen diskutiert. Die ganz Klugen (Frommen) warnen davor, dass dieses Spiel mystische Hintergründe haben könnte und man beim Spielen Schaden an seiner Seele nehmen könnte.

HALLO??? War das nicht schon immer so, dass etwas Neues, noch dazu wenn es schnell Fuß fasst und vielleicht gar noch mein Vorstellungsvermögen übersteigt oder auch nur meine Interessen nicht bedient, gerne verteufelt wird? Das war so, als die Elektrizität erfunden wurde, als die ersten Eisenbahnen durch bis dahin von der restlichen Welt abgeschottete Bergdörfer fuhren und das ist noch heute so. Deswegen möchte ich mir lieber gern selbst ein Bild von Pokémon-Go machen. Das geht am Besten, wenn man sich darauf einlässt. Drum streife ich jetzt zusammen mit meinem Sohn und meiner Tochter durch die Welt und finde Pokéstops, an denen ich mir Items auf mein Handy laden kann, die ich zum einfangen der Pokémon benötige oder dazu, diese nach einem Kampf in einer der Arenen wieder zu heilen. Dabei entdecke ich eine Menge Interessantes in meiner Umgebung: Jeder Pokéstop und jede Pokémon-Arena ist ein interessanter Punkt in meiner Welt: Denkmäler, Gemälde, Graffiti, Skulpturen, Gedenktafeln, Stolpersteine und andere Kultur- oder Kunstobjekte. In den letzten beiden Wochen habe ich davon schon sehr viel entdeckt, selbst an Stellen, wo ich eigentlich schon oft war. Auf einmal nehme ich diese Dinge wahr! Und ich freue mich, so viele junge Leute mit dem Handy in der Hand (keinesfalls mit Zigarette oder Bierflasche!) auf der Straße zu treffen, die mich, die ich ebenso mit meinem Handy unterwegs bin, wissend angrinsen. Vielleicht spielen wir ja sogar im gleichen Team? Und selbst wenn wir in unterschiedlichen Teams spielen, irgendwie fühlen wir uns verbunden in diesem völlig unblutigen und auch gewaltfreien Spiel. Um ein Pokémon einzufangen muss man einen kleinen Ball werfen, der dann aufspringt und das Pokémon einschließt. Wenn es nicht wieder ausbricht, was durchaus manchmal passiert, dann kann ich es meiner Sammlung hinzu fügen. Wenn Pokémon in der Arena miteinander kämpfen, dann sind sie nach dem Kampf nicht etwa tot, sondern kraftlos und müssen vom Trainer wieder geheilt werden. Auch gibt es in dem Spiel Eier von neuen Pokémon, die nur dadurch ausgebrütet werden, wenn man mit eingeschalteter Pokémon-Go-App läuft. Die einen nach 2 Kilometern, andere nach 5 Kilometern und einige nach 10 Kilometern Fußmarsch. (Autofahren funktioniert nicht, das ist zu schnell.) Ich gestehe: Ich bin lange nicht so viel zu Fuß unterwegs gewesen wie in den letzten Tagen.

Mein Fazit ist also: Ich gewinne diesem Spiel sehr viele positive Seiten ab und habe sogar noch Spaß dabei, diese kleinen Monster einzufangen und zu besitzen. Dabei bin ich niemals der Spieler gewesen. Wenn irgendwo bei einer Feier Spielkarten oder dergleichen ausgepackt werden, dann verdünnisiere ich mich so gut wie möglich. Und mit Brettspielen im Charme von Mensch-ärgere-dich-nicht und Co kann man mich jagen!

Den frommen Skeptikern, die Angst um mein (oder wahrscheinlich noch vielmehr ihr eigenes) Seelenheil haben, möchte ich erwidern, dass ich einen starken Vater im Himmel habe, der vermutlich über diese ganzen Ängste nur lächeln kann. Er kann es auch mit dem stärksten Pokémon aufnehmen. Auch wenn diese kleinen Wesen „Monster“ heißen. Das schüchtert ihn nicht ein. Er sagt von seinen Menschenkindern: „Niemand kann sie aus meiner Hand rauben!“ Und wenn also Jemand meint, die Kinder dieses großen Gottes vor einem Handyspiel warnen zu müssen, dann hat derjenige wahrscheinlich noch keine Ahnung davon, WIE unbegreiflich groß und mächtig unser Gott ist.

Ich jedenfalls werde mich jetzt gleich mitsamt meinen Kindern auf einen Spaziergang begeben, in der Hoffnung, eine Menge Pokémon zu finden. Und ich werde dabei viel Spaß haben, Bewegung an der frischen Luft und den Stress des Tages hinter mir lassen.

 

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