Mütter… Sie sind doch alle gleich, oder?

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Am Himmelfahrtswochenende haben wir einen lang gehegten Traum von mir verwirklicht: Einen eigenen kleinen Pool! Nicht mehr nur einen Aufstellpool, sondern alle unsere Söhne und Schwiegersöhne waren da und haben fleißig ein großes Loch ausgehoben, in dem jetzt ein Pool steht. Die Woche danach hatte mein Mann noch Urlaub und so fanden wir beide Zeit, Beton rund um den Pool aufzufüllen und das gesamte „Drumherum“ zu gestalten. Fein sieht es jetzt aus um unseren Pool herum. Alles ist wieder zu und inzwischen ist auch eine Leiter drin.

Zum Glück, denn letztens hatten wir mitten in der Nacht den ersten unfreiwilligen Badegast. Wir lagen im Bett, das Fenster war offen, da hörten wir mehrmals ein komisches Geräusch. So eine Art schnattern und fauchen, ein wenig klang es auch wie Plätschern und das mehrmals hintereinander. Nach dem dritten Mal schoss es mir: Da ist was im Pool! Ich bin sofort hinaus gerannt und sah hinten im Garten ein paar Augen leuchten, dort schrie etwas und am oder im Pool schrie es auch. Aber es war dunkel! Ich hielt den Kescher ins Pool bis mein Mann mit der Taschenlampe kam. Da sah ich dann sehr erleichtert, dass jedenfalls nix mehr im Pool war. Aber es schrie etwas ganz kläglich, einmal von hinten im Garten und einmal am Pool. Und da sahen wir es: auf dem frischen Beton unter der am Vortag einbetonierten Leiter, den wir mit Karton zugedeckt hatten saßen kleines, nasses Tier. Etwas länger als ein Katzenbaby und der Kopf etwas spitzer.Offensichtlich ein kleiner Marder oder ein Wiesel. Wir hatten Bedenken, es könnte auf dem frischen Beton festkleben, drum schob ich es da runter, aber es mochte nicht rennen. Aus dem Karton, in den wir es dann schoben, sprang es sofort wieder raus. Und hinten im Garten lockte die Mutter. Das Kleine war aber vom unfreiwilligen Bad sicherlich so erschöpft und geschockt, dass es nicht mehr konnte, so sehr die Mutter auch lockte. Als mein Mann nach hinten ging, kam die Mutter bis auf einen Meter Entfernung auf ihn zugerannt und fauchte ihn an. So als wollte sie sagen: „Lass ja mein Kind in Ruhe, du Mensch!“

Wir gingen also wieder rein und beobachteten am Fenster, was weiter geschah: Das Kleine antwortete auf die Rufe der Mutter, rührte sich aber nicht. Bis die Mutter auf einmal ganz schnell gerannt kam, ihr Kind im Nacken packte und davon schleppte. Dann war wieder Ruhe draußen. Nur ich war so aufgeregt, dass ich lange nicht wieder schlafen konnte.
Vielleicht sollte ich in meinem Garten nun Warnschilder aufstellen, damit sich das gesamte hier benachbarte Getier daran gewöhnen kann, dass es jetzt in unserem Garten ein gefährliches Gewässer gibt?

Erst einmal habe ich eine Abdeckung besorgt und den Pool damit schon mal gesichert. Nun ist es nicht mehr so ganz einfach, da hinein zu fallen.

Aber was mir die letzten Tage dazu durch den Kopf ging, ist Folgendes:

Es ist doch bei den Tieren ganz genau so wie bei den Menschen: Mütter wachsen über sich hinaus, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind in Gefahr ist. Und sie bezwingen ihre eigene Angst um dem Kind zu helfen. Egal wie groß und gefährlich der Mensch ist, der sich dem Kind nähert, die Mutter nimmt es mit ihm auf um ihr Kind zu beschützen.

Und noch ein Vergleich fällt mir dazu ein: Marder haben in unserem Wohngebiet keine sehr guten Ruf. Das sind doch die, die die Autokabel annagen? Und sie beziehen manchmal mitsamt ihrer zahlreichen Nachkommenschaft unsere Oberböden oder Gartenlauben ohne vorher zu fragen ob sie willkommen sind. Sie sind keine Kuscheltiere, auch wenn sie so aussehen.

Und trotzdem erbarmt es mich ungemein, wenn ein solches Tier durch meine Schuld oder Unachtsamkeit zu Schaden kommt. Selbst wenn ich keinerlei Schuld daran habe, möchte ich nicht, dass ein Tier zu Schaden kommt.

Wenn ich als Mensch schon solch ein Mitleid mit einem kleinen Tier habe, was ich nicht mal selbst erschaffen habe, was auch überhaupt keine Beziehung zu mir eingehen möchte und was auch nicht einmal nützlich für mich ist, sondern im Gegenteil, eher noch für Schaden verantwortlich gemacht wird, wieviel mehr muss sich wohl mein Vater im Himmel über uns Menschen erbarmen. Er hat uns selbst erschaffen, er wünscht sich, dass wir mit ihm in einer Beziehung, im Einklang leben und wir scheren uns ganz oft überhaupt nicht um ihn. Und trotzdem lässt er jeden Morgen wider seine Sonne über uns aufgehen! Und trotzdem hält er seine Hände über uns! Und trotzdem darf ich mit meinen Wehwehchen zu ihm gehen und bei ihm meine Last abladen – so ich denn will.

Ist das nicht eine großartige Ermutigung, jeden Tag wieder neu mein Leben in meine Hand zu nehmen und fröhlich und getrost in den Tag zu starten?