Wunde Brustwarzen richtig behandeln

Sehr oft rufen mich Frauen an, die unter wunden Brustwarzen leiden und mir graust es, wenn ich höre, welche Ratschläge sie bekommen um die Brustwarzen zu behandeln. Deswegen hier einmal schwarz auf weiß: 

Es ist FALSCH, die Brustwarzen trocken zu halten! Wenn die Brustwarzen gerötet sind, dann fühlen sie sich oft an, wie wunde Lippen im Winter. Diese brauchen Fett (Labello oder Lippencreme) und genauso geht es den Brustwarzen, sie brauchen dann auch Fett. Diese Hydrogel-Kompressen sind ein gut gemeinter Versuch, aber bei wirklich wunden Brustwarzen helfen sie nicht. Sind die Brustwarzen blutig, dann haben wir richtige Wunden, also offene Stellen an der Brustwarze vorn (ein Zeichen, dass das Baby zu wenig Brustgewebe im Mund hat und die Spitze der Mamille am harten Kiefer scheuert anstatt bis hinten zum weichen Kiefer zu reichen.) Handelt es sich eher um Risse am Übergang von Mamille zum Warzenhof, dann ist das auch meistens ein Zeichen, dass die Brust im Mund nicht richtig lokalisiert ist und das Baby zu sehr daran „zieht“, also die Brustwarze lang zieht. Auch hier hilft es, dem Kind den gesamten Warzenhof mit in den Mund zu schieben und dann darauf zu achten, dass es richtig nah an der Brust ist und bleibt.

Es ist FALSCH, mit Rotlicht zu behandeln! Rotlicht trocknet die Brustwarze aus. Wenn Risse oder sonstige offene Stellen in der Brustwarze sind, dann werden die Wundränder beim Trocknen sehr hart und unelastisch. Sobald die Mamille dann wieder belastet wird (das Kind angelegt), reißen die Wundränder auf und bluten erneut.

Es ist FALSCH, Cremes zu verwenden, die vor dem Stillen abgewaschen werden müssen! Abwaschen von nicht „essbaren“ Cremes bedeutet eine nochmalige mechanische Belastung der eh schon angekratzten Mamille. Das kann man sich gerne sparen!

Es ist FALSCH, dass die Verwendung von Stillhütchen die Brustwarzen schont wenn sie wund sind! Stillhütchen sind gut wenn das Kind die Brustwarze nicht fasst. Da kann ein festes Hütchen über der Mamille dem Kind den nötigen Anhaltspunkt geben. Aber wunde Brustwarzen scheuern im Stillhütchen noch mehr als im Mund des Babys.

Es ist FALSCH, dass Abpumpen der Milch schonender für die Brustwarzen ist als das Baby (korrekt) anzudocken! Die Pumpe zieht bei jedem Zug die Brustwarze lang. Das ist also eine starke mechanische Belastung. Dabei wird die Mamille jedesmal in dem Trichter entlang gerieben. Es ist viel schonender, das Baby (korrekt) anzudocken! Wenn das nicht geht, dann ist es immer noch besser, die Brust mit der Hand auszumelken. die milchplumpe ist immer erst die dritte Wahl!

Schwarzer Tee als Kompresse auf die Brust hilft NICHT bei wunden Brustwarzen! Schwarzer Tee trocknet die Haut aus. Damit ist der Effekt wieder der, dass die Wundränder hart und spröde werden. 

Mein Tipp bei wunden Brustwarzen: 

  1. Mercurialis perennis-Tinktur 20% von Weleda. Das ist eine alkoholische Tinktur, die heilend und desinfizierend wirkt. Damit benetzt man die Mamille direkt nach dem Stillen. (kann ein wenig brennen, ist aber nicht schlimm und schnell wieder vorbei). Alternativ kann man Kochsalzlösung verwenden. 
  2. Am Wichtigsten ist aber Schafwollwachs. VIEL Schafwollwachs. Das gibt es in der Apotheke als sterile Salbengrundlage lose zu kaufen.  (Die fertig abgepackte und wesentlich teurere Variante davon heißt Lansinoh oder Mamilan) Davon nimmt man eine reichlich erbsengroße Menge auf die Stilleinlage und deckt damit die Mamille ab. Es muss so viel Wollwachs sein, dass es noch klebrig ist, wenn wir zum nächsten Stillen die Stilleinlage wieder abmachen. Das nennt man „feuchte Wundheilung“. Damit verhindern wir, dass die Brustwarze austrocknet und die Wundränder hart werden. Sie bleiben vielmehr elastisch und beim nächsten Stillen tut es viel weniger weh. 
  3. Das Baby muss korrekt angelegt werden. Das bedeutet, es hat nahezu den gesamten Warzenhof mit im Mund und es tut nach den ersten Schlucken nichts mehr weh. Darauf muss man gut achten, sonst wird es nicht besser. Direkt nach dem Andocken tun wunde Mamillen immer weh, nach etwa 10 Schlucken sollte das aber aufhören, sonst ist das Baby nicht korrekt angelegt. 
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Das Baby ist korrekt angedockt, wenn die Nase in den Busen hinein stupst. Zum atmen reicht dem Baby das kleine Dreieck an der Seite des Nasenloches
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Am Besten ist es, den Kopf des Babys im Nacken zu halten. So ist es einfacher, das Baby an der Brust zu positionieren. Damit vermeidet man auch, dass es all zu sehr weh tut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Somit wünsche ich von ganzem Herzen GUTE BESSERUNG!