Die dünne Vormilch und die sättigende Hintermilch…

 

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… sind ein Phänomen, was mir immer wieder im Umgang mit stillenden Müttern begegnet – und was denen ganz schön Unruhe macht. Kein Wunder, möchte ja jede Mama das Beste für ihr Kind. Wir möchten am liebsten gar nichts falsch machen und nur das Beste für unser Baby.

Nun hören wir sehr oft, man sollte das Baby lange genug an der Brust lassen, damit es auch in den Genuss der sättigenden Hintermilch kommen kann.

Ich für meinen Teil bin davon überzeugt, dass dieser Hinweis einfach nur schlicht und ergreifend falsch ist.

Wenn ein Baby nicht zunimmt, dann hat das andere Gründe als zu dünne Milch. Dann sollte man eine Stillberaterin konsultieren und mit ihr zusammen darauf schauen, wo man bei diesem speziellen Kind und in diesem speziellen Fall das Stillen optimieren kann.

Wenn genug zu essen da ist, essen gesunde Menschen normalerweise so lange, bis sie satt sind. Und wenn wir immer nur Salat essen, dann stellen wir irgendwann fest, dass uns dieser nicht satt macht. Warum sollte ein kleines Baby weniger trinken als ihm gut tut? Und warum bitte, sollte die Milch erst ganz zum Schluss sättigend sein?

Übrigens haben kluge Forscher unlängst festgestellt, dass die Milch gehaltvoller wird, wenn man die Brust sanft massiert – und zwar mit leicht drückenden Bewegungen. Ich denke da sofort an den „Milchtritt“ bei säugenden Katzen. Und dann fällt mir auf, dass unsere Menschenbabys oft auch solche Bewegungen beim Stillen machen. Auf uns Erwachsene wirkt das manchmal so, als wollte das Kind die Brust wegstoßen. Dabei ist das, was unsere Kinder da tun oft nichts anderes, als eine Stillmassage. Ich glaube, so ein Baby ist klüger, als wir alle annehmen!

Wenn also ein Kind keine Lust hat, länger als wenige Minuten an der Brust zu trinken, dann darf man gern darauf vertrauen, dass das Kindlein weiß, was es tut. Wahrscheinlich wird sich dieses Kind dann nach kurzer Zeit wieder melden und möchte gern wieder gestillt werden. Das ist auch in Ordnung.

Ich möchte die stillenden Mütter gern ermutigen, ihren Babys mehr zu vertrauen, als irgendwelchen Ratgebern. Stillen ist eine Beziehung. Eine Beziehung zwischen zwei Menschen, einer Mutter und ihrem Kind. Und Beziehungen sind immer verschieden. Keine Beziehung gleicht einer anderen.

Wenn ihr eure Babys an die Brust nehmt, dann vertraut darauf, dass kein Baby gewillt ist, an der vollen Brust zu verhungern. Ein gesundes Baby nimmt sich genau das, was es braucht. Da gibt es schnelle Esser, die sind nach 3 Minuten fertig und wollen dann lieber etwas erleben. Und es gibt Genießer, die können nicht lange genug an Mamas Brust saugen und nuckeln. Und Beides ist völlig okay. Auch kann es sein, dass ein Genießer einmal schnell fertig ist und ein schneller Esser nicht genug kriegen kann. Unsere Kinder sind kleine Persönlichkeiten, keine computergesteuerten, berechenbaren Roboter. Genau das macht aber auch den Umgang mit ihnen so interessant.

Übrigens: Der Stuhl eines voll gestillten Kindes darf jede Farbe (von gelb über orange bis grünlich) und jede Konsistenz (flüssig, breiig oder etwas fester) haben. Das ist alles richtig und kein Grund zur Besorgnis. Sorgen muss man sich nur machen, wenn ein Kind deutlich zeigt, dass es ihm nicht gut geht oder wenn ein kleines Baby abnimmt.

Also: Stillt eure Kinder fröhlich so oft und so lange wie es ihnen und euch Freude macht! Denn jede Mutter ist der Fachmann für ihr Kind. Keiner kennt dieses Kind so gut und so lange wie die Mama. So wie das Kind aus ihrem Bauch stammt, weiß jede Mama tief aus ihrem Bauch heraus, was dieses Kind braucht. Wir müssen diesen siebten Sinn nur aktivieren und pflegen und dürfen ihn uns nicht durch zu viele gute Ratschläge kaputt machen lassen.