Wie eine Mutter…

Die Jahreslosung für dieses Jahr lautet: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“ (Jesaja 66,13)

Es ist ohne Frage: Am Allerbesten auf der Welt können Mütter trösten! Das geht schon bei einem kleinen Baby los. Als Oma kann ich das Kleine herum schleppen und schaukeln, wenn es weint. Ich kann so ein Kleines schon ganz gut zur Ruhe bringen, schließlich bin ich ja eine (Groß-)Mutter. Aber letztendlich muss ich nicht selten auch oft einsehen, dass die Mama mein Enkelkind noch viel besser trösten kann. Und das liegt nicht nur an (wie mein Mann immer zu sagen pflegte, wenn wir ein Stillkind hatten) der „Anatomischen Besonderheit“, mit der eine Mutter nun mal ausgestattet ist. Natürlich, das Baby an die Brust nehmen hilft meist und ist auch immer richtig. Aber Mütter können nicht nur so gut trösten, weil sie eine Brust voll Milch haben, sondern auch weil sie eine super innige Beziehung zu ihrem Kind haben. Keiner kennt das Kind so gut wie die eigene Mutter. Sie hatte das Kleine neun Monate in sich, die beiden sind fest miteinander verbunden. Eine Mama hat einen siebten Sinn für ihr Kind und weiß instinktiv, was das Kind benötigt.

Als Stillberaterin erlebe ich sehr oft, wie ein eben noch untröstlich weinendes Baby an der Brust oder im Arm der Mutter still wird. Das ist ein sehr bewegendes Bild. Diese innige Verbindung zwischen Mutter und Kind miterleben zu dürfen, empfinde ich immer wieder als Geschenk. Und nichts berührt uns so, wie ein zur Ruhe gekommenes Baby, was an die Mama gekuschelt einschläft.

Beneidenswert, oder? So ein Kleines hat einen Platz, an dem es alle Sorgen loslassen und auftanken kann. Alles, was eben noch beängstigend und furchterregend war, ist nun vorbei. Da ist nur noch die innige Verbindung zwischen Mutter und Kind.

Und genau das bietet Gott uns an: Einen Platz, um zur Ruhe zu kommen, einen Platz, an dem wir uns geborgen fühlen können, einen Platz, an dem wir unsere Sorgen loslassen können.

Wie eine Mutter. Sie ist da, wenn ihr Kind sie braucht. Wenn das Kind allein klar kommt, wenn es die Welt entdeckt, dann freut sie sich mit. Sie klammert sich keineswegs an das Kind und lässt es nicht los, im Gegenteil, das Kind darf Erfahrungen machen, es darf losgehen und hinfallen. Und dann kommt der Trost. Die Kleinen wissen, dass sie immer wieder zur Mama geheult kommen dürfen und dass ihre Arme immer für ihr Kind offen sind. Da kann man auftanken und dann mit neuem Mut wieder in die Welt hinaus ziehen.

Ist das nicht eine großartige Aussicht, dass ich mir, auch wenn ich erwachsen bin, noch immer Trost holen kann, sooft ich solchen benötige?

Mit diesem Wissen gehe ich getrost in das neue Jahr. Ich erwarte, dass ich nicht falle und dass mir nichts wehtun wird. Aber falls doch, habe ich einen Platz, an dem ich mir Trost holen kann.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes Neues Jahr!

Eure Mechthild