Kindergartenbesuch Teil 2

IMG_3951

Eine Freundin, die mich letztens um Rat fragte, ob sie ihre 3-jährige Tochter WIRKLICH in den Kindergarten geben MÜSSE, erlaubte mir nun ausdrücklich, hier zu veröffentlichen, was ich ihr auf ihre Frage geantwortet habe.

Danke, liebe Mechthild, für diese Erlaubnis. Hier ist also meine Antwortmail auf die Frage einer unglücklichen Mutter eines unglücklichen Kindergartenkindes:

Liebe Mechthild!

Ich möchte dich UNBEDINGT ermutigen, auf die Bedürfnisse deines Kindes einzugehen! Dein Herz hat absolut Recht!!!!
Gott hat jeder Mutter ein Empfinden für ihr Kind geschenkt. Du weißt in dir drin ganz genau, was T. gut tut! Nimm das bitte ernst!
Weißt du, in die Schule muss ein Kind gehen, das geht nicht zu vermeiden. Aber dann ist das Kind SECHS Jahre alt. Nicht drei! Schon ganz früher wussten die Gelehrten, dass ein Kind sechs Jahre lang in die „Mutterschule“ gehört. Dann ist es reif für den Eintritt in die Welt. Heutzutage wird dieser Zeitpunkt immer weiter nach vorn gerückt. Nicht etwa, weil das den Kindern so gut tut. Das ist, weil die Mütter wieder in ihren Beruf zurück sollen. Die Kinder kriegen dann notfalls psychologische Betreuung und Ergotherapie, wenn sie eigentlich noch länger Zeit bräuchten und so nicht in dieses Raster passen wollen. Aber eine Mutter ist bei ihrem Kind durch nichts zu ersetzen, auf Arbeit schon!
Mein Ältester fühlte sich auch im Kindergarten überhaupt nicht wohl. Ich habe ihn (leider erst) nach drei Monaten wieder abgemeldet. Das war sehr schwer, weil KEINER das verstand. Nur mein Kind. Das war dann wieder glücklich. Und ich auch. (Heute ist er ein erfolgreicher Psychotherapeut und gestandener Familienvater.) Damals sagten mir die Erzieherinnen, dass aus diesem Kind nichts wird, wenn ich nicht hart bin und ihm den Kindergarten zumute. Aber mein Kind war todunglücklich dort und ich mit.

Was verliert ihr, wenn du nicht wieder arbeitest?

1. Geld. Wieviel? Rechne mal, was du dann verdienst minus Kindergartenbeitrag, minus noch einiges an Klamotten, da du und dein Kind mehr benötigt, als wenn ihr nur zu Hause seid, minus Geld für schnelle Gerichte, da du weniger Zeit fürs Kochen hast, minus Geld für teurere Läden wo du dein Essen einkaufst, weil du keine Zeit hast, das Zeug von weiter her zu holen, wo es vielleicht billiger ist.
2. Ansehen bei der Umwelt. – Du bist ein Sonderling, wenn du nicht das tust, was alle tun. Deine Umwelt wird kein Verständnis dafür haben, dass du deinem Kind nicht die KITA zumutest. Stimmt. Damit musst du dann klar kommen.
Verlierst du noch mehr?
Es wird in Zukunft wahrscheinlich keine große Urlaubsreise für euch geben, vielleicht eher Wander-Urlaub in der näheren Umgebung.

Was gewinnt ihr, wenn du zu Hause bleibst und dein Kind noch eine Weile selbst betreust?

Es geht dir selbst besser.
Es geht deinem Kind besser.
Du brauchst weniger Klamotten.
Du sparst das Geld für den Kindergarten.
Du sparst ne Menge Ärger und Nerven mit dem kindergartenunwilligen Kind.
Du kochst jeden Tag selber und hat ein leckeres Essen auf dem Tisch, wenn dein Mann nach Hause kommt.
Dein Mann findet eine entspannte Frau zu Hause vor, die ihm den Rücken frei hält. Er muss nicht noch kochen, putzen, einkaufen und Kind von der Kita holen, wenn er von der Arbeit kommt, sondern hat dann echt Feierabend.
Dein Mann hat eine dankbare Frau, die ihm alle Wünsche von den Augen abliest. Sie wird sich große Mühe geben, seine Traumfrau zu werden, weil sie sich geliebt fühlt dadurch, dass er sie nicht nötigt, Dinge zu tun, die ihr zuwider sind.
Eure Tochter darf in Geborgenheit und ihrer eigenen Geschwindigkeit aufwachsen und muss sich nicht jetzt schon in Situationen zurecht finden, die ihr zuwider sind.
Du hast Zeit, auf Kleiderbörsen zu fahren und preiswert für dein Kind einzukaufen.
Du hast Zeit, deiner Tochter vom Vater im Himmel zu erzählen und in ihr Herz eine tiefe Liebe zu ihm einzupflanzen.
Du hast Zeit, in deiner Kirchgemeinde ehrenamtlich zum Segen zu sein und anzupacken, wo es Not ist.
Du darfst deinem Kind selbst „das Leben“ zeigen, es an deinem Leben und deinem Tagewerk teilhaben lassen.
Fällt dir noch was ein?

Wir haben als Familie immer so gelebt und nie Not gelitten. Es gab Zeiten, da war es ein wenig eng, wie gesagt, Urlaubsreisen waren nicht so richtig drin. Aber ist das sehr schlimm?
Was möchtet ihr euch leisten, was dann nicht geht?
Auch kann man überlegen, wo man noch sparen kann. Wir haben von Zeit zu Zeit mal Kassensturz gemacht und geschaut, was man noch einsparen kann. Oft waren das Zeitungen, die wir abonniert hatten und dann abbestellt haben. Auch hab ich mir eine Summe Wirtschaftsgeld festgelegt, die ich wöchentlich zur Verfügung hatte. Damit musste ich auskommen und das ging auch.
Die Kinder fröhlich aufwachsen zu sehen, das war mir Lohn genug, auch wenn ich nicht jedes Jahr ein neues Paar Stiefel für mich kaufen konnte.

Du wirst Unverständnis ernten, wenn du dein Kind nicht in den Kindergarten bringst. Aber dafür hast du ein seelisch gesundes Kind. Sehr sensible Kinder leiden dort. Und das Kind leiden zu lassen und zu hoffen, dass es irgendwann genug abgestumpft ist, dass es sich nicht mehr beschwert, das ist eine fiese Methode!!! Das muss man einem Kind nicht ohne Not antun!
Such dir lieber Gelegenheiten, wo T. mit dir zusammen andere Kinder treffen kann und so Stück für Stück lernen kann, Freunde zu finden. Aber in ihrer eigenen Geschwindigkeit und mit Mama als Rückendeckung! Das geht im Kindergottesdienst, in Kindersportgruppen, Musikgruppen, Mutter-Kind-Gruppen oder indem man sich Freunde einlädt oder solche besucht.

Wenn T. so traurig ist und solche Angst vor dem Alleinbleiben hat, halte ich es nicht für sinnvoll „es noch einmal zu probieren“. Das wäre nötig, wenn es keinen anderen Weg gäbe, aber offensichtlich wünschst du dir ja auch den Weg ohne Kindergarten. Dann seid ihr ja schon zwei. Und dein Mann möchte gern, dass seine zwei Frauen glücklich sind. Deswegen ermutige ich euch: Erspart T. und auch euch selbst den Stress!! Es wird sich auszahlen! Eure Tochter wird lernen, dass ihre Eltern ein Empfinden für ihre Not haben und sie retten. Das fördert ihr Vertrauen in euch. Und das ist ein großer Lohn, den ihr lebenslang auskosten dürft. Flapsig gesagt: Seid nett zu eurem Kind, es sucht später mal euer Altenheim aus! :-))

Keine Angst, ich bin fest überzeugt, dass es einem Kind nicht schadet, wenn es nicht in den Kindergarten muss! Und ich bin sicher, dass es ihr schaden würde, wenn ihr sie unglücklich sein lasst und nichts dagegen unternehmt. Sie ist offensichtlich noch nicht reif für einen Abschied von Mama. Na und? Meine Kinder waren das lange nicht, sind fast alle nicht mal zu Klassenfahrten mitgefahren und haben sich dann mit 18 -20 Jahren selbständig gemacht, haben geheiratet und stehen mit beiden Beinen im Leben. Dabei haben sie sehr lange an mir geklebt. Aber ich denke, wenn man die Kinder zu früh zwingt, Entwicklungsschritte zu tun, dann werden sie unter Umständen nie selbständig.
Und Mütter wissen tief in sich drin ganz genau, was ihre Kinder brauchen. Die hatten sie nämlich neun Monate in sich. Das kann man nicht wegreden. Mütter wissen am Besten, was ihr Kind braucht, zehnmal besser als Erzieherinnen oder andere Fachleute. Die absolute Fachfrau für dein Kind bist du! Wenn es sich für dich nicht gut anfühlt, dann IST es nicht gut für T.!!!

Überzeugt???
Ich hoffe!

Liebe Grüße
Mechthild

Nachtrag: Die kleine T. ist nun noch weiterhin mit ihrer Mama zu Hause und beide (besser alle drei) sind sehr glücklich mit dieser Entscheidung. Es war eine Entscheidung, genau auf die Bedürfnisse dieses Kindes und dieser Mama zugeschnitten. Deswegen war es eben die richtige Entscheidung.

Ich weiß, es gibt auch Mütter, die diese Möglichkeit so nicht haben. Die möchte ich gern ermutigen, ihren Weg genauso mit Überzeugung zu gehen. Wichtig ist es, dem Kind das Gefühl zu geben, dass man es versteht und ernst nimmt. Wenn nach allen Erwägungen und Überlegungen kein Weg daran vorbei führt, das Kind tagsüber fremdbetreuen zu lassen, dann redet mit euren Kindern darüber und sucht nach Wegen, dem Kind diese Zeit leichter zu machen. Aber bitte steht in jedem Fall zu der Entscheidung, die ihr euch nicht einfach gemacht habt! Manchmal muss man auch das kleinere Übel wählen! Einfach, weil oft jede andere Möglichkeit ein noch größeres Übel birgt.

Kinder, die mit Begeisterung und gern in ihren Kindergarten gehen, die sollte man da auch gern weiterhin gehen lassen. Warum auch nicht? Für viele Kinder ist der Besuch des Kindergartens keine Last, sondern eine Lust. Warum soll man diesen das verwehren? Es geht mir in diesem Artikel speziell um solche Kinder, die nicht mit Begeisterung eine Kita besuchen. Ich selbst war mit einigen solchen Kindern gesegnet (nicht alle meiner Kinder tickten so, aber der große Teil…) und kenne die Schmerzen, die man als Mama mit solchen Kindern mitleidet aus eigener Erfahrung. Deswegen wende ich mich hier besonders an die Mütter solcher speziellen Kinder.

ALLEN Müttern möchte ich sagen: Hört und reagiert auf die Bedürfnisse eures Kindes. Ihr seid diejenigen, die über diese Bedürfnisse am meisten wissen. Ihr seid die Fachleute für euer Kind!

2 thoughts on “Kindergartenbesuch Teil 2”

  1. Liebe Mechthild, auch ich war ein Kind, das den Kindergarten gehasst hat aber leider gehen musste. Meine Mama hat das für die richtige Entscheidung gehalten, ich sollte unter gleichaltrige Kinder und nicht nur zu Hause mit Erwachsenen zusammen sein. Ich habe immer geweint, wenn sie mich dort allein gelassen hat. Ich habe mich einsam und verlassen gefühlt. Kurz ich habe es gehasst. Noch heute bekomme ich ein ungutes Gefühl, wenn ich an meine Kindergartenzeit denke. Um so schwerer ist es mir gefallen meine Kinder in die Kita zu bringen. Heute kann ich aber sagen es war richtig. Wir haben das große Glück, dass die Oma in der Kita arbeitet und in der Anfangszeit oft bei meinen Kleinen war, mit ihnen geschmust hat und ihnen beim einschlafen die Hand gehalten hat. So hatten sie immer eine Bezugsperson dort. Meine beiden gehen sehr gern in die Kita und haben dort viele Freunde. Das macht mir die Sache leichter zumal ich keine Mama bin die glücklich wäre, wenn sie die ganze Zeit „nur“ mit ihren Kinder zu Hause wäre. Ich brauche Zeit für mich und ich arbeite gern in meinem Beruf. Das gibt mir Bestätigung und bringt mir Freude. Natürlich gibt es auch Situationen wo die beiden mal nicht gehen wollen aber müssen. Dann habe ich ein schlechtes Gewissen und denke an meine Kita-Zeit zurück. Dann hole ich sie ganz besonder zeitig ab nur um zu hören: „Was schon nach Hause! Du bist viel zu zeitig! Ich will noch nicht!“ 🙂 Tja, wie man´s macht… Aber ich finde für uns ist die Kita die ideale Lösung. Ich kann aber nur jeder Mama raten sich auf ihr Bauchgefühl zu verlassen, genau wie du es gesagt hast.

    1. Danke liebe Ute, für die Schilderung deiner Sichtweise. Schön, deine positiven Erfahrungen zu lesen! Genau so meine ich es: Du musst dich wohlfühlen mit deiner Entscheidung, dann ist das stimmig. Auch Kinder die zu Hause sind, sind nicht JEDEN Tag nur immer glücklich. Aber wenn sich Mama UND Kind in der Hauptsache gut fühlen, was kann es Besseres geben?!

Kommentare sind geschlossen.