Fehlgeburt – Das jähe Ende einer schönen Zukunft

IMG_4012Mit einer Fehlgeburt rechnet Frau nicht, wenn sie schwanger ist. Mit so etwas sollte eine schwangere Frau auch nicht rechnen. Nicht zu Unrecht hieß es früher, diese Frau sei „Guter Hoffnung“. Dieses Kindchen, was da in der Mama heran wächst, hat es auch jedenfalls verdient, dass sich die Mama darauf freut und sich eine schöne, bunte Zukunft mit ihm ausmalt. In den allermeisten Fällen wird dieser Zukunftstraum auch so oder ähnlich in Erfüllung gehen. 

In einigen Fällen aber kommt es zu einer Fehlgeburt. Das Kleine, was da so verborgen im Schoß seiner Mama heran wächst, hört auf zu wachsen und das kleine Herz schlägt irgendwann nicht mehr. Vielleicht ist ja bei der rasanten Entwicklung des befruchteten Eies zum Fetus irgendwann etwas nicht korrekt verlaufen. Eventuell hat sich der kleine Mensch entschieden, gleich die Abkürzung in den Himmel zu nehmen und nicht in einem fehlgebildeten Körper seine Zukunft auf der Erde anzutreten. Meist kann man nicht heraus finden, aus welchem Anlass diese Schwangerschaft nicht zur Geburt eines gesunden Kindes führt.

Viele Frauen erfahren beim Besuch Ihres Gynäkologen von dem Drama, was sich in ihrem Bauch abgespielt hat, denn da wird in der Frühschwangerschaft meist bei jedem Besuch per Ultraschall nach dem Kindlein geschaut. Oder aber es kann kann sein, dass eine Frau plötzlich eine Blutung bekommt, die sie dann wiederum den Frauenarzt aufsuchen lässt. Egal wie und wo, wenn eine Frau erfährt, dass das Kleine in ihrem Bauch nicht mehr lebt, dann ist das ein Schock für sie.

Als Mama hat man zu diesem Kind bereits eine richtig enge Beziehung. Schließlich lebt es in ihr drin, ist ein Teil von ihr. Man verliert mit einer Fehlgeburt einen wichtigen Menschen und ein ganzes Stück Zukunft. Man hat sich diese Zukunft schon in bunten Farben ausgemalt. Nun ist das plötzlich nicht mehr so, sondern man muss wieder von vorn anfangen zu malen. Ein ganz anderes Bild. Das macht man völlig unfreiwillig und notgedrungen. Deswegen ist das auch nicht mit so viel Freude behaftet wie das Ausmalen von einer Zukunft mit Baby.

Noch erschwerend kommt dazu, dass dieses Kindlein erst mal nur ganz der Mama gehört. Alle Anderen kannten das kleine Wesen nicht. Sie haben sich vielleicht auch schon ein buntes Zukunftsbild gemalt, aber eine Beziehung zu diesem Kind kann man als Großeltern beispielsweise erst pflegen, wenn es da ist. Der Papa ist da etwas besser dran. Aber zu einem Baby in den ersten Schwangerschaftswochen hat er meistens auch noch keine „richtige“ eigene Beziehung. Er leidet mit seiner Frau, weil sie leidet. Ebenfalls leidet er an einer plötzlich und unfreiwillig ganz anders gewordenen Zukunft.

Als Mama hat man bei einer Fehlgeburt einen herben Verlust zu betrauern, den von einem Menschen, der hier auf der Erde noch keine Spuren hinterlassen hat. Es ist vielleicht ein Mutterpass vorhanden und ein Ultraschallfoto. Wenn’s hoch kommt, hat man für dieses Baby schon ein Mützchen gestrickt oder ein paar Socken in „mini“ gekauft, aber mehr ist meist nicht da. Keine Fotos, keine „Dinge“, die mit diesem Mensch zu tun haben und kaum Erinnerungen, die man mit genau diesem Menschlein verbindet. Auch gibt es wenige andere Menschen, die die Erinnerung an dieses kleine Wesen mit der Mama teilen können, denn es gehörte erst einmal ganz ihr allein. Deswegen wird von der Umwelt solch ein Ereignis auch oft heruntergespielt und schnell vergessen.

Ich bin überzeugt, dass man Mamas nach einer Fehlgeburt ermutigen sollte, dieses kleine Wesen als ihr Kind zu sehen und zu betrauern. Auch wenn das Baby nicht mehr hier ist, das Licht der Welt nie erblickt hat, ist und bleibt es doch ihr Kind. Eine Frau, die eine Fehlgeburt hatte, ist trotz allem eine Mama, auch wenn das Kindlein nicht mehr bei ihr sein darf. Es ist da!

Vielen Frauen hilft es, eine kleine Schachtel mit all dem einzurichten, was dieses kleine Wesen hier an Spuren hinterlassen hat. Auch wenn das oft nicht viel mehr ist als Mutterpass und Ultraschallfoto. Andere pflanzen eine Pflanze in den Garten oder stellen sich eine Weile eine Zimmerpflanze oder eine Kerze auf den Fensterstock, die sie diesem Baby „widmen“. Manche stellt sich auch als Erinnerung an dieses Kind einen kleinen Engel in die Schrankwand. Ich glaube, dass es für eine „verwaiste Schwangere“ sehr wichtig ist, diesem Kind einen Namen und einen Platz zu geben. Auch dieser kleine Keim ist es wert, nicht vergessen zu werden, denn er wurde von seiner Mama geliebt. Und Liebe ist niemals mit dem Tod zu Ende.
Ich bin mir sicher, wir werden unsere Kinder im Himmel wieder treffen. Sie sind inzwischen dort gut aufgehoben unter all denen, die uns schon voraus gegangen sind.
Jedenfalls dürfen wir unsere ungeborenen Kinder in Gottes Hand richtig gut aufgehoben wissen. Auch wenn es einer Mutter schwerlich in den Kopf will, dass ihr Kleines irgendwo besser aufgehoben sein könnte als bei ihr.

Der Mama bleibt ein schmerzhaftes Loch im Herzen. Diesen Schmerz muss sie erst einmal verarbeiten. Sie muss damit umgehen lernen, und um ihr Kindlein trauern dürfen.

Sicher gibt es für nahezu jede Frau, die einmal eine Fehlgeburt hatte, noch einmal eine Zukunft mit Baby. Aber nicht mit DIESEM Baby. Und deswegen möchte man auch nicht unbedingt darauf vertröstet werden, dass man ja „ein Neues machen“ kann. Man wünscht sich, von seiner Umwelt wahr genommen und auch akzeptiert zu werden, mitsamt seinem Schmerz um diesen Verlust.  Denn man hat ja wirklich etwas verloren. Man hatte ein kleines Baby im Bauch, was nun nicht mehr da ist und man hatte eine Zukunftsvision, die nun so nicht eintrifft. Das ist Grund zum traurig sein.

Ich wünsche jeder Frau nach einer Fehlgeburt, dass sie genug Zeit und Gelegenheit zum Trauern hat und diese Trauer gut verarbeiten kann. Dann wird sich die Traurigkeit und das Gefühl, etwas verloren zu haben ganz allmählich abschwächen und der Freude darüber weichen, dass sie etwas besitzt, nämlich ein kleines Kind im Himmel, was zu ihr gehört und dort auf sie wartet bis sie hier ihr Leben gelebt hat.

Bei einer erneuten Schwangerschaft ist eine Frau, die schon einmal eine Fehlgeburt hatte, dann manchmal verunsichert. Hat sie es doch schon einmal erlebt, dass das Kindlein nicht wie erwartet herangewachsen ist um geboren zu werden. Dadurch ist es für sie dann oft schwerer, sich auf eine eine erneute Schwangerschaft unbefangen einzulassen.

Aber ich möchte jede Frau ermutigen, diesem neuen Kindlein trotzdem alle Vorfreude zukommen zu lassen, die sie aufbringen kann. Wir wissen nie sicher, ob eine Schwangerschaft so endet wie wir uns das wünschen. Wir können für unsere Zukunft immer nur das Beste hoffen. Wir beeinflussen auch unsere Zukunft nicht dadurch, dass wir uns Sorgen darüber machen oder uns die Freude über diese Schwangerschaft nicht erlauben. Wenn wir uns die Freude über eine neue Schwangerschaft aus Angst vor einer Enttäuschung versagen, dann gewinnen wir nichts. Im Gegenteil: Wir verlieren etwas. Wir versagen uns die Freude am „Jetzt“, die Freude daran, jetzt ein Baby im Bauch zu haben. Dabei kann uns das, was wir haben, Keiner nehmen.

Ich wünsche jeder Schwangeren, dass sie es genießt, dieses Kindlein in sich zu tragen. Dass sie diesem Kind viele liebevolle Gedanken schickt und dass sie sich von der Sorge um die Zukunft niemals die Freude an der Gegenwart nehmen lässt.

 

 

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