Schlaf endlich, du Kindlein!!!

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Kennt ihr das? Das Baby ist noch keine 3 Wochen alt, da wird man gefragt: „Ist er denn brav, schläft er schon durch?“  Ich fand solche Fragen immer grässlich. Manchen Leuten hab ich erklärt, dass es meiner Brust viel besser geht, wenn das Kindlein in der Nacht immer mal stillt. Auch das Kind braucht ja anfangs die Muttermilch noch sehr oft und kann einfach keine ganze Nacht ohne auskommen. Anderen Leuten habe ich nur geantwortet: „Danke, wir sind sehr zufrieden mit unseren Nächten!“

Wenn aber das Baby älter wird, dann könnte es schon hin- und wieder einmal allein einschlafen, aber es ist ja so sehr daran gewöhnt, dass es zum einschlafen von Mama ein Schlückchen süße Milch gibt und dieses Ritual nervt das Kleine auch keineswegs. Deswegen haben Babys kein Problem damit, dieses Einschlafritual noch ein paar Jährchen beizubehalten. Auch für die Mama hat das nächtliche Stillen ja so manches Angenehme. Es ist viel einfacher, ein Kind mit im Bett zu haben und diesem die Brust zu geben und dabei weiter zu schlafen, als den Kleinen stundenlang herumzutragen bis er wieder in den Schlaf findet. Das Kind leidet jedenfalls keinen Schaden dabei, auch wenn es bis ins vierte Lebensjahr hinein zum Einschlafen gestillt wird. Den Schaden leidet eher die Mama. (Das weiß aber auch nur die Mama, ob ihr das schadet, alle anderen Menschen geht diese Sache nichts an!)

Falls die Mama nachts nicht mehr so gern stillt, dann darf sie das dem Kind auch abgewöhnen wenn das Kleine so langsam ein Jahr alt wird. Nur: Es gibt KEIN Patentrezept dafür und das Kind wird sich in den seltensten Fällen freiwillig auf irgendwelche Alternativen einlassen. Unsere Kinder sind gesunde Egoisten. Sie wissen meist sehr gut was ihnen gut tut und was sie wollen.

Trotzdem darf man dem Kind Alternativen anbieten. Das sieht in etwa so aus:

Wenn ein Baby 4 Monate alt ist, dann kann es lernen, allein einzuschlafen. Das lernt es aber nur, wenn es die Gelegenheit zum üben bekommt. Das Üben geht so: Mama hat das Kind gestillt und frisch gewickelt, sie ist sicher, dass der Kleine müde ist und legt ihn in sein Bettchen, oder in sein Kinderwagenoberteil. Irgendwo hin, wo er sicher ist und nicht herausfallen kann. Dann erklärt sie ihm, dass er nun ganz müde ist und schlafen darf. Und sie erklärt ihm, dass er auch allein in den Schlaf finden kann, da er dafür groß genug ist. Er bekommt ein Küsschen und vielleicht ein Lied gesungen und dann setzt sich die Mama in Sichtweite neben das Kind, nimmt sich ein Buch und liest. (Oder daddelt am Handy, bzw. guckt in den Laptop.) Das Kind wird sich wundern, denn die Mama ist zwar anwesend, aber nicht da. Sie unterhält sich nicht mit ihm. Dann versucht der Kleine vielleicht, seine Händchen in den Mund zu stecken um sich selbst zu beruhigen.

Mit ganz viel Glück., wird das Kind einschlafen. Meist wird es aber vor sich hin jammern und sich selber ein wenig bedauern, dass es jetzt plötzlich nicht auf die gewohnte Art in den Schlaf begleitet wird. Irgendwann geht vielleicht das Jammern in den Schlaf über. Das wäre echt eine tolle Leistung von dem Kleinen. Meist aber wird das Jammern in richtiges Weinen übergehen. Dann sollte die Mama dieses Experiment für dieses Mal abbrechen und das Kind auf die gewohnte Weise in den Schlaf begleiten. Beim nächsten Schläfchen, kann man diese Übung dann wiederholen. Die meisten Kinder brauchen etwa 20 Wiederholungen, bevor das dann wirklich funktioniert. Deswegen darf man diese Art des Einschlafen-Lernens nicht erst beginnen wenn man schon völlig entnervt ist.

Es wird Tage geben, an denen die Mama keine Lust auf diese Übung hat, auch das ist nicht schlimm. Dann eben wieder am nächsten Tag! Es braucht eine ruhige, ausgeglichene und gelassene Mama dazu.

Irgendwann ist diese neue Art dem Kind vertraut und es wird sich ganz leicht auf diese Weise in den Schlaf begleiten lassen. Wir dürfen nur nicht erwarten, dass das beim ersten, zweiten und dritten Mal gleich funktioniert. Schließlich ist Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden!

Mit dem nächtlichen Stillen ist es etwas schwieriger. Das lieben die Kleinen meist wirklich sehr. Aber auch da kann man dem Kleinkind ein wenig helfen, auch ohne die Brust wieder einzuschlafen. Dazu sollte das Baby aber mindestens 12 Monate alt sein.

Und so geht es:

Man spricht schon den ganzen Tag über mit dem Kind davon, dass es heute Nacht, solange es dunkel ist, keine Brust gibt. (Sinnvollerweise fängt man mit solch einem Programm im Mai/Juni/Juli an, wenn die Nächte kurz sind.) Tagsüber bietet man dem Kind die Brust oft an und erklärt ihm jedesmal, dass es heute Nacht diese dann nicht gibt. Abends wird das Kind dann noch einmal gestillt und in der Nacht bekommt das Kind dann alles andere außer der Brust: In den Arm nehmen, Wasser aus dem Glas trinken, Händchen halten usw. Das Kind wird sicherlich protestieren, das darf es auch. Es wäre unnormal, wenn ein Kind so leicht auf seine geliebte Mutterbrust verzichten würde. Aber das darf man als Mama dann aushalten, darf dem Kind erklären dass es okay ist, wenn es traurig und wütend ist dass es die Brust nicht bekommt, aber dass es diese erst wieder gibt, wenn es hell ist. Und man bietet dem Kind die Alternativen an. Das ist sicher nicht leicht für Mama und Kind. Aber es ist besser, als eine völlig entnervte Mama, die das Kind nur noch widerwillig stillt, auch besser als völlig abzustillen und allemal besser als solche Programme wie z.B. „Jedes Kind kann schlafen lernen“, denn das Kind muss nicht allein sein, sondern hat Eltern, die es trösten, wenn auch nicht auf genau diese Art, die das Kind sich wünscht. Man wird sich einige Nächte um die Ohren schlagen müssen und ein weinendes Kind ertragen, aber auf Dauer sind die Nächte dann etwas entkrampfter.

Wichtig ist mir aber, darauf hinzuweisen, dass es dem Kind  nichts schadet, wenn es noch lange nachts gestillt wird. Mit drei Jahren können Kinder meist durchschlafen, dann verliert sich das nächtliche Stillen von ganz allein. Man verwöhnt ein Kind auch nicht, wenn es nachts noch stillen darf. Aber es gibt Situationen, wo eine Mama das einfach nicht leisten kann und will und das ist ebenso legitim. Dann schadet es dem Kind auch nicht, wenn es sich in der Nacht an andere Arten der Einschlafbegleitung gewöhnen muss. Letzten Endes ist Stillen eine Sache zwischen Mama und Kind und diese Beiden sind auch die Einzigen, die entscheiden dürfen, wann und wie lange sie diese Stillbeziehung pflegen wollen. Andere Menschen sollten sich da tunlichst heraushalten.

Oft haben Mütter kein Problem, ihr Kleinkind in den Schlaf zu stillen, aber sie sorgen sich, wie das werden wird, wenn sie doch einmal abends nicht da sind. Deswegen muss man nicht abstillen, sondern unsere gestillten Kleinkinder können durchaus ausnahmsweise auch einmal ohne Brust auskommen. Dafür brauchen sie aber einen sehr belastbaren Babysitter, der das Kind inzwischen gut unterhält und da es sich in diesem Fall um eine Ausnahme handelt, darf das Kind an einem solchen Abend auch länger aufbleiben und nach Strich und Faden verwöhnt werden. Dann schläft der Kleine eben erst, wenn er vor Müdigkeit umfällt, oder er wird im Auto oder Kinderwagen gefahren bis er schläft. Das ist als Ausnahme alles machbar und schadet dem Kind nicht. Wichtig ist, dass die Mama dem Babysitter voll vertraut. Sie muss entspannt sein und sicher, dass es ihrem Kind an diesem Abend gut geht. Und wahrscheinlich wird sie sowieso ihr Handy dabei haben, damit sie im Notfall doch schnell zu ihrem Kind gerufen werden kann. Vermutlich wird es aber dem Kind besser gehen, als der Mama, die die Sorge nicht völlig ausblenden kann. Hier hilft nur: Ausprobieren wieviel ich mir und meinem Kind zumuten kann und jedenfalls auf mein Bauchgefühl hören.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine gute Nacht!

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